Wieso Bilder bearbeiten?

Wieso Bilder bearbeiten?

Eine Kamera nimmt Bilder anders auf als unser Sehapparat. Das ist nur einer der Gründe, warum das fotografische Bild oft nicht unseren Erwartungen entspricht, aber ein wesentlicher. Weitere sind die technischen Unzulänglichkeiten des Apparates und nicht zuletzt unser Gestaltungswille – wir wollen ein Bild erzeugen, kein Abbild. In all diesen Fällen kommt die Bildbearbeitung zum Zuge. Oft sind es nur subtile Veränderungen, die den Unterschied ausmachen.

 

Systembedingte Unterschiede

Unsere Augen erfassen die Umgebung sukzessive. Dabei passen sie sich ständig den Helligkeits- und Entfernungsunterschieden der Objekte an. Erst unser Gehirn setzt diese nacheinander aufgenommenen Eindrücke zu einem Gesamtbild zusammen. Auch an die Farbtemperatur des Lichts passen wir uns an – ein Blatt weißes Papier erscheint uns bei Glühlampenlicht ebenso weiß wie bei Tageslicht.

Die Kamera erfasst einen begrenzten Ausschnitt aus Raum und Zeit mit festen Einstellungen für Fokus, Belichtung und Weißabgleich; überdies wird von der Dreidimensionalität zur Fläche abstrahiert. Während der meist sehr kurzen Belichtungszeit muss das gesamte Bildfeld gleichzeitig aufgenommen werden. Dabei erwarten wir eine randscharfe Abbildung und eine ausgewogene Kontrastwiedergabe, auch die Farbwiedergabe sollte korrekt sein. Dies stellt sehr hohe Anforderungen: an das optische System, an das Aufzeichnungsmedium, an die Regulierung der Lichtmenge etc. Diese Anforderungen sind trotz guter Objektive und hoch entwickelter Automatikfunktionen nicht vollständig erfüllbar.

 

Subjektive Faktoren

Weil wir fünf Sinne haben und denkende und fühlende Wesen sind, beeinflussen weitere Sinneseindrücke wie auch unsere augenblickliche Stimmung die Art und Weise, wie wir das Gesehene empfinden und einordnen, was wir unbewusst damit assoziieren. Die Kamera zeichnet lediglich Bilder auf, von den Gerüchen und Geräuschen, die uns bei der Aufnahme umgaben, von unseren Gefühlen und Gedanken in diesem Moment weiß sie nichts. Auch unsere Gründe für die Wahl gerade dieses Motivs sind ihr unbekannt, sie ist eine Maschine und macht ihren Job. Mehr nicht.

Die Abwesenheit dieser subjektiven Faktoren im Bildergebnis, so logisch sie erscheint, kann frustrierend sein. Bewusstes Fotografieren setzt voraus, so zu sehen wie die Kamera: auf das Bild konzentriert und unabgelenkt von anderen Einflüssen.

 

Gestalterische Absichten

Das Abbild unserer Umgebung, das unsere Augen erzeugen, wird von uns anders wahrgenommen als ein fotografisches Abbild dieser Umgebung. Die klare Begrenzung des Bildes macht es zum eigenständigen Gegenstand; die Elemente innerhalb dieser Grenzen scheinen eigenen Gesetzmäßigkeiten zu folgen. Ob uns ein Bild interessiert, beglückt, aufwühlt, verstört oder eben nur langweilt, hängt nicht allein vom Inhalt ab, sondern auch davon, wie dieser im Rahmen des Bildes organisiert ist. Diese Bildgestaltung erfolgt im Wesentlichen bereits beim Blick durch den Sucher, die Bildbearbeitung ermöglicht nachträgliche Korrekturen.

 
 
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